Ob nun in einer Community im Social Web, in einer App oder einem Multiplayer-Spiel: Überall wo Menschen digital miteinander interagieren können, wird auch regelmäßig und in unterschiedlicher Härte der Bannhammer geschwungen. Natürlich ist das nicht die einzige und oftmals auch nicht die ideale Lösung, ganz besonders nicht wenn es den falschen trifft, oder betroffene Personen nicht mal die Hintergründe eines Banns verstehen können.

Prozesse zu automatisieren birgt Risiken

In jeder größeren Community sind die grundlegendsten Prozesse heutzutage automatisiert: Nutzer können sich gegenseitig melden und eine gewisse Anzahl von Meldungen führt zu einer Sperrung. Inwiefern hierbei überhaupt eine Information über den Grund der Sperre an den Nutzer kommuniziert wird, variiert sehr stark und ist keinesfalls garantiert.
Häufig wird man mit sehr oberflächlichen, allgemeinen und wenig aussagekräftigen Gründen vertröstet, selbst nachfolgende Support-Anfragen werden dabei teilweise automatisiert und standardisiert bearbeitet.

Das hohe Aufkommen von Konflikten führt zu einer sehr hohen Belastung der Support-Kanäle. Klick um zu Tweeten

 

Auch die Fairness bleibt auf der Strecke – Automatisierte Prozesse lassen sich manipulieren. So können sich beispielsweise mehrere Mitglieder in einem Online-Spiel gegen einen einzelnen verbünden, ihn gezielt wegen einem fiktiven Verstoß melden und damit ggf. eine Sanktion erwirken. Im Zweifelsfall ist das völlig unbegründet, wird aber auch nicht weiter durch menschliche Instanzen geprüft.

 

Ergänzung der Automatismen durch Selbstregulierung der Community

Besonders am populären Beispiel der „YouTube Heroes“ aus der jüngeren Vergangenheit erkennt man ein Prinzip, welches in Online-Spielen und aus Online-Chats bereits seit vielen Jahren bekannt ist: Ausgewählte Mitglieder der Community fungieren als zusätzlicher Filter zur Korrektur der Automatismen.

Weitere bekannte Beispiele wären hier „Counter Strike: Global Offense“, ein Ego-Shooter Spiel in dem ausgewählte Community-Mitglieder das Spiel von gemeldeten Mitspielern beobachten können und eine Einschätzung abgeben, ob Cheats oder Hacks verwendet wurden, oder auch das „Habbo Hotel“, ein (mittlerweile weniger populärer) Online-Chatroom für Teenager, der mit sogenannten „Habbo Helpers“ und „Habbo Wächtern“ gearbeitet hat. Diese können Chat-Verläufe einsehen und anhand dieser eine Handlungsempfehlung für Sanktionen abgeben.

Diese Systeme arbeiten meist mit zusätzlichen Anreizen, Vergünstigungen oder „Achievements“ für die Personen, die sich daran beteiligen. Was oberflächlich nach einem geschickten „Outsourcing“ und einer anreizbasierten Selbstregulierung der Community aussieht, artet schnell in ein Denunziantentum oder auch eine Hilfspolizisten-Tätigkeit aus, denn all das ist prinzipiell eine Form der Selbstjustiz.

Insbesondere Plattformen wie YouTube bieten mittlerweile tausenden Menschen auch eine berufliche Existenz, die unter Umständen also auch von den Entscheidungen dieser „Hilfspolizisten“ abhängt – Der wirtschaftliche Schaden, der angerichtet werden kann überschreitet schnell Strafen die unsere eigentliche Gerichtsbarkeit in Deutschland vorsieht, sofern es sich überhaupt um etwas relevantes handelt.

YouTube entscheidet mittlerweile auch Urheberrechtskonflikte souverän selbst und nimmt Nutzern gezielt die Möglichkeiten der regulären Gerichtswege um Konflikte selbst zu lösen. Auch die Zwangsmonetarisierung von Inhalten stellt einen nicht zu unterschätzenden Eingriff in die Natur des angebotenen Inhalts dar, hier ist YouTube jeweils Legislative, Judikative und Exekutive in einem.

Ökonomische Interessen < Fairness

Was hierbei häufig auf der Strecke bleibt ist die Fairness.

„Oh, du hast gegen die Google AdSense Bedingungen verstoßen? Wir schließen dich lebenslang von unserem Programm aus.“

Es ist einfacher und vor allem billiger, wenn man Konflikte schnell und endgültig löst und dabei nur einen sehr untergeordneten Wert auf Fairness oder angemessene Maßnahmen legt. Wenn eine Community aus tausenden oder sogar hundertausenden Nutzern besteht, kann man auf die paar Prozent der (teilweise zahlenden) Nutzer verzichten, die gegen die Regeln verstoßen. Lieber direkt komplett rausschmeißen und „liquidieren“, als sich in einem langwierigen Prozess aufzuhalten.

Doch das ist insbesondere im Einzelfall häufig unfair. Man steht unwissentlich von einem Gericht in einem Schauprozess, in dem teilweise nicht mal die Anklageschrift verlesen wird, sondern der „Richter“ direkt den Bannhammer schwingt, urteilt und das Urteil direkt vollstreckt.

Administratoren und Moderatoren werden zu Staatsanwalt, Richter und Henker in einem. Klick um zu Tweeten

 

Verhältnismäßigkeit der Mittel

Natürlich müssen in einer Community auch Regeln gelten und diese müssen auf durchgesetzt werden können. Es gibt allerdings auch viel verhältnismäßigere Sanktionen bzw. Maßnahmen die nicht sofort einen endgültigen Charakter haben.

Facebook bietet Seitenbetreibern an, einzelne Kommentare auszublenden, in Gruppen können die Kommentare zu potenziell konflikthaltigen Beiträgen deaktivieren und Nutzer können sich gegenseitig blockieren und damit die Kontaktaufnahme verhindern.

Auch diese Methoden sind natürlich nicht komplett gegen Missbrauch geschützt, sie können aber immerhin dazu beitragen, dass ein Bann oder kompletter Ausschluss vermieden werden kann.

Je mehr Mittel einem Moderator zur Verfügung stehen, desto besser kann er auf Konflikte reagieren. Klick um zu Tweeten

 

Negativ-Beispiel: Tandem

In diesem Livestream wurde unter anderem auch auf das Thema „Bannfluch“ eingegangen und ein negatives Beispiel in Form eines Banns ohne Angabe von Gründen besprochen.

Bannfluch und Sendelizenz

Posted by Gunnar Sohn on Sonntag, 26. März 2017

Author Yannick

Digital Native, Online Marketing – Enthusiast, begeisterter Skifahrer und Freizeitpark-Fan.

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