Warum ich mit Adblocker surfe

Ein wenig Werbung stört mich nicht. Auch ein paar Anzeigen mehr auf einer Seite sind in Ordnung, aber irgendwann haben viele Publisher eine Grenze überschritten – Die Grenze zwischen Werbung und redaktionellen Inhalten verschwimmt zusehends, nicht nur in kleineren Blogs sondern insbesondere auch auf großen Nachrichtenportalen. Manche nennen das Content Marketing, Native Advertising oder präsentieren sich nach wie vor als seriöse Nachrichtenplattform. Ich habe mich damit kritisch auseinandergesetzt.

 

Wenn die Werbung im Focus steht

Lustiges Wortspiel… aber ich meine tatsächlich beides – Den Fokus und den Focus, denn er soll mir an dieser Stelle als Negativ-Beispiel dienen.

Zunächst mal ein direkter Vergleich des oberen Bereichs eines Artikels, den ich mir kürzlich auf Focus Online angesehen habe, auf der linken Seite ohne Adblocker, auf der rechten Seite mit.
Zudem habe ich die Werbung mit roten Kästen markiert.

Für mein Empfinden ist die reine Menge an Werbung noch einigermaßen erträglich, hier würde ich auch ohne Adblocker zurecht kommen, ganz davon abgesehen, dass ich das allgemeine Text-Layout und Anordnung der Informationen auf der Seite schlecht finde.

Weiterlesen darfst du nur gegen „Bezahlung“

Nun beginnt das, was mich wirklich stört. Penetrante „Pay-With-A-Tweet“ bzw. „Pay-With-A-Like“-Popups die in diesem Fall sogar den Inhalt wegblocken machen dabei direkt mal den Anfang.

Da vergeht mir jegliche Lust weiterzulesen und bei allem Verständnis für Maßnahmen zu Monetarisierung von redaktionellen Inhalten – Das geht zu weit!

Zudem ist die Umsetzung (wie im Screenshot zu sehen) fehlerhaft (Anzahl von „Gefällt mir“-Klicks). Das Popup taucht gelegentlich auch nach mehrfachem Wegklicken noch auf da offenbar ein Cookie nicht ganz korrekt beschrieben wird, ein absolutes No-Go!

Hier fällt zum ersten Mal etwas auf, auf das ich im weiteren Verlauf genauer eingehe… „Zum Thema: Penisverlängerung: Size Matters?“ – Passt das zum Thema Sexismus? Interessant, aber dazu später mehr.

Die Belohnung für das tapfere Wegklicken

Mir wurde nun gestattet, den unteren Teil des Artikels zu lesen, selbstverständlich habe ich das penetrante Plugin weggedrückt, wer solche Blocker einsetzt erhält von mir aus Prinzip kein „Gefällt mir“, völlig egal wie gut die Inhalte sind.

Nun offenbart sich mir dieser Anblick.

Wo fange ich da nun am besten an… bei der Werbung die sich über die andere Werbung schiebt? (Adception 😀 )
Die Tatsache, dass sich außer Google AdWords offenbar niemand die Mühe macht, mir zielgruppengerichtete Werbung einzublenden? (Betty Barclay Damenmode? – Nein, danke.)

Nein, ich fange beim Schlimmsten an.

Werbung der jegliche Seriosität und Kontext fehlt

Ich lese einen Artikel über eine Sexismus-Debatte und finde am unteren Ende des Text eine Werbe-Einblendung zum Thema:

Size Matters – Glauben Sie nicht? Mal ehrlich – Ist Ihr Penis wirklich zu klein?

Da muss ich doch wirklich zwei mal hinsehen… Offensichtlich glaubt der Focus tatsächlich, dass Leser einer Sexismus-Debatte als nächstes gerne „die ganze Wahrheit über den Penis“ und „7 Fakten über Sex, Lust und Leidenschaft“ lesen würden und sich brennend dafür interessieren „wie Sie einer Sexflaute ein Ende setzen„.

Wer’s nicht glaubt – Hier ein Screenshot:

Hut ab für so wenig Professionalität an dieser Stelle!

Die Kommentar-Sektion als Vorort der Werbe-Hölle

Wenn du denkst es geht nicht mehr… kommt von irgendwo noch mehr Werbung her! – Das scheint zumindest das Werbekonzept auf dieser Focus-Seite zu sein.

Scrollt man sich jenseits der Kommentar-Sektion in den untersten Teil des Artikels, so wird man nur noch mit „Sponsored-Posts“ und Full-Size Werbebannern zugemüllt.
Ich erspare mir an dieser Stelle auch die Mühe eines Screenshots, es ist einfach nur unangenehm das alles zu lesen.

Mit dem Adblocker selbst entscheiden

Ein Adblocker ermöglicht es mir zwar auch die komplette Werbung auf einer Seite auszublenden… er bringt mich aber auch in die komfortable Situation, selbst zu entscheiden auf welcher Seite ich ihn einsetze und auf welcher nicht. Wer mir nicht am laufenden Bande Sponsored-Posts, PopUps die beim Wegklicken ein weiteres PopUp öffnen, Blocker, Full-Size Banner etc. in den Lesefluss schmeißen, die erfordern auch keinen Adblocker.

Ich klicke sogar auf interessante Werbung – Aber mit Damen Mode oder Penis-Vergrößerungs-Tipps bewirkt man bei mir das genaue Gegenteil, ich verlasse die Seite und komme nicht wieder.
Wer bei der Auswahl seiner eingeblendeten Werbung so wenig Rücksicht auf seine Leserschaft und Zielgruppe nimmt, der hat es auch nicht anders verdient.

Adblocker erzwingen Umdenken

Die Adblocker greifen die etablierten und  bewährten Werbe-Methoden auf Websites an.

Für ein Video das eine Minute lang läuft gucke ich mir nicht 20 Sekunden lang davor Werbung an, die ich nicht wegklicken kann, dann besorge ich mir die Information eben von anderer Stelle, insbesondere dann, wenn dieses Video Nachrichten enthält und keine Unterhaltungs-Inhalte.

Ebenso wenig möchte ich zwischen zwei Text-Abschnitten eine Einblendung für ein Produkt sehen, was nicht zum Inhalt des Artikels passt.

Werbung gehört an den Rand und nie in den Fokus! Wenn ich mich an diesen Grundsatz nicht halten kann oder will, dann ist meine Absicht der Website nicht das zu Verfügung stellen von Inhalten, sondern die Monetarisierung von viralen Inhalten, die ich mit mehr oder weniger passender Werbung vollstopfen kann.

So trennt sich die Spreu vom Weizen

Solange Redaktionen und Online-Portale von Zeitschriften darauf setzen, ihre Artikel mit Werbung zu durchsetzen und damit meinen Lesefluss zu stören, werde ich auf ihren Seiten mit einem eingeschalteten Adblocker surfen. Es muss weniger penetrante Arten der Monetarisierung einer solchen Website geben.

Wer an seinen Lesern Geld verdienen möchte ohne sie vom Lesen abzuhalten, der wird Wege finden, ich bin mir sicher, dass es viele Menschen wie mich gibt, die über ein Umdenken bei solchen Werbekonzepten sehr erfreut wären und das auch entsprechend honorieren würden.

Author Yannick

Digital Native, Online Marketing - Enthusiast, begeisterter Skifahrer und Freizeitpark-Fan.

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