Warum machen wir überall Selfies?

By 8. Juli 2015Social Networks

Heutzutage sind schnelle Selfies mit dem Smartphone selbstverständlich. Im Bad nach dem morgendlichen Fertigmachen, in der Bahn auf dem Weg zur Arbeit oder im Café beim gemütlichen Treffen mit Freunden. Doch warum eigentlich?

Massenhaft Bilder

Momentan nehmen wir mit unseren Smartphones, digitalen Kameras, Tablets usw. fast 1 Billion Fotos im Jahr auf – Das sind alle paar Minuten so viele Bilder wie im gesamten neunzehnten Jahrhundert geschossen wurden. Ein großer Teil dieser Bilder sind Selfies, ob mit Stick, frei aus der Hand, mit Freunden oder alleine mit dem süßen Haustier.

Für diesen Artikel möchte ich mich ein wenig mit den Hintergründen des Phänomens „Selfie“ auf sozialen Netzwerken beschäftigen.

Selfies sollen uns so zeigen, wie wir von allen gesehen werden wollen. Klick um zu Tweeten

Selfies sind ein alter Hut

Denkt man über Selfies im weiteren Sinne nach, so haben bereits Künstler in längst vergangenen Jahrhunderten das Bedürfnis verspürt, sich in Selbstportraits abzubilden. Viele dieser Portraits waren dadurch gekennzeichnet, dass sie nicht gänzlich realitätsnah waren, oder gegenteilig davon, bestimmte Charakteristika besonders stark hervorgehoben haben.

Vincent Van Gogh

Wohl eins der bekanntesten Selbstportraits der Geschichte: Vincent Van Gogh

Die „Selfie Kultur“ ist also eigentlich gar kein modernes Phänomen… man könnte sagen, dass die technischen Möglichkeiten nur dazu geführt haben, dass viel mehr Menschen ein Selbstportrait bzw. Selfies schießen können. In der Zeit von Vincent Van Gogh erforderte ein solches Portrait noch erhebliches künstlerisches Talent und eine entsprechende Ausstattung. Heutzutage trägt jeder Smartphone-Besitzer eine vollwertige Selfie-Kamera mit sich herum und ist zu jedem Zeitpunkt in der Lage dazu, ein Bild von sich zu machen.

Was fasziniert uns an Selfies?

Die meisten von uns achten mehr auf Gesichter als auf alles andere. Klick um zu Tweeten

Das behauptet der australische Wissenschaftler Dr. Owen Churches von der Universität Adelaide und hat bestätigt damit meine Meinung zum Thema.

Analysen der Nutzung von Social Networks geben ebenfalls Hinweise auf diesen Umstand.

Facebook Heatmap

Eine Heatmap zeigt, welche Bereiche einer Facebook-Seite besonders im Focus des Betrachters liegen.

Auf Instagram erhalten Bilder auf denen Gesichter zu sehen sind, Studien zufolge, mit einer Wahrscheinlichkeit von 38% mehr Likes als Bilder ohne Gesichter und zu 32% mehr Kommentare. Das stellen viele Nutzer des Social Networks fest (oder gehen unbewusst darauf ein) und laden bevorzugt Selfies oder allgemein Bilder mit Gesichtern hoch, um mehr Feedback zu erhalten und mehr Leute zu erreichen.

Die schönen Seiten von Selfies

Selfies sind gut für’s Selbstbewusstsein. Bei einer Studie von Today.com gaben 41% aller erwachsenen Frauen die befragt wurden an, dass Selfies und andere vorteilhafte Bilder in Social Networks ihre Selbstsicherheit fördern. Unter befragten Teenie-Mädels gaben sogar 65% diese Antwort.

Offenkundig stillen Selfies in vielen das Bedürfnis, sich zu zeigen und einen guten Eindruck auf andere zu machen, um dadurch Selbstbestätigung zu erhalten, worüber man zusätzliche Selbstsicherheit gewinnt. Insbesondere Teenager streben bekanntermaßen vermehrt nach Anerkennung und Bestätigung von Freunden und Bekannten, soziale Netzwerke bieten dafür bereits seit Jahren eine der populärsten Plattformen und Selfies sind ein geeignetes Medium.

Die weniger schönen Seiten von Selfies

Ein Gefühl, dass auch ich als aktiver Nutzer von Social Networks von mir selbst kenne, entsteht bei vielen dann, wenn eine Person dadurch auffällt, dass sie mehr Selfies oder vergleichbare Bilder von sich postet als andere, teilweise sogar mehrere täglich. Das nervt, so sehr man diese Person auch mag. Früher oder später kann die dauerhafte Präsenz von Selfies zu Spannungen führen, so meine eigenen Erfahrungen.

Eine englische Studie hat dazu mehr als 500 Facebook-Nutzer befragt, wie nahe sie ihre Beziehung zu bestimmten Facebook-Freunden einschätzen. Daraufhin wurden sie ergänzend gefragt, wie viele Selfies diese Personen von sich posten. Interessanterweise ging aus den Ergebnissen hervor, dass mehr gepostete Selfies von einer Person meist mit einer weniger intimen Beziehung verbunden wurden.

Menschen die nicht zur Familie oder engem Freundeskreis gehören, fühlen sich durch viele Selfies gestört. Klick um zu Tweeten

Das gesunde Mittelmaß

Wie bei allem ist auch bei Selfies das gesunde Mittelmaß der beste Weg. Ab und an ein Selfie an einem schönen Ort und mit Personen die einem wichtig sind können tolle Erinnerungen festhalten und ein sehr schönes Motiv abgeben. Das kann man auch sehr gut mit Freunden und Bekannten teilen. Sobald man jedoch in kurzen Abständen viele ähnliche Selfies von sich hochlädt, kann das schnell nervig für Freunde und Bekannte werden, ganz davon abgesehen, dass Forscher bereits Zusammenhänge zwischen Persönlichkeitsstörungen und dem exzessiven Hochladen von Selfies festgestellt haben.

Übrigens ist es auch echt uncool überall mit einem Selfie-Stick rumzulaufen. Die meisten Freizeitparks sprechen aktuell Verbote dafür aus, weil viele sich offenbar nicht darüber im Klaren sind, welche Risiken und Gefahren die Nutzung eines Selfie-Sticks mit sich bringen kann, wenn man ihn leichtfertig oder unvorsichtig einsetzt. Sachbeschädigung und Personenschaden sind in der jüngeren Vergangenheit in diesem Zusammenhang immer mal wieder ein Thema gewesen und völlig vermeidbar.

 

Author Yannick

Digital Native, Online Marketing – Enthusiast, begeisterter Skifahrer und Freizeitpark-Fan.

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Join the discussion One Comment

  • Tanja L. sagt:

    Ich muss gestehen, ich habe noch nie ein Selfie von mir veröffentlicht. Das einzige, dass ich mal gemacht habe, war so dermaßen furchtbar, dass ich es direkt wieder gelöscht habe. Verstehe auch nicht, wieso so viele Leute meinen, dass es tollist, sich dauernd selbst zu fotografieren… Interessant zu lesen, dass zu viele Selfies tatsächlich negativ wahrgenommen werden.

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